Chetna - PROLANA Partner für Biobaumwolle aus Indien

Biobaumwollbauer

PROLANA bezieht Biobaumwolle – eines unserer wichtigsten Rohmaterialien – von Chetna, einer indischen Nichtregierungsorganisation. Chetna arbeitet mit 9000 Biobaumwollbauern zusammenarbeitet und hilft derzeit 7000 weiteren bei der Umstellung auf den Bioanbau und bei der Zertifizierung. Für PROLANA ist Chetna ein perfekter Partner denn wir haben gemeinsame Ziele: PROLANA verwendet Biobaumwolle weil sie ohne den Einsatz von chemischem Dünger, Pestiziden und Herbiziden produziert wird. Damit ist sie gesund für Sie, unsere Kunden, aber auch die Bauern profitieren, weil sie nicht mit chemischen Giften umgehen müssen. Außerdem bekommen sie einen etwas besseren Preis für Biobaumwolle.

Zu den PROLANA Werten gehört wo immer möglich einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzenten zu leisten. Die Zahlung einer Fair Trade Prämie ist nur ein Aspekt. Durch die Zusammenarbeit mit Chetna unterstützt PROLANA direkt die Baumwollbauern und ihre Familien.

Die meisten Bauern in Indien sind arm und besitzen nur wenig Land. Viele gehören zu besonders benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen. Chetna hilft Biobaumwollbauern von der Saatgutbeschaffung über den Anbau (Kompostmanagement, biologische Schädlingsbekämpfung, Zwischensaaten...) bis hin zu Ernte, Weiterverarbeitung und Vermarktung. Und Chetna unterstützt die Bauernfamilien, manchmal sogar die gesamte Dorfgemeinschaft: Chetna Mitarbeiter beraten Frauen, die im Nebenerwerb Biogemüse anbauen wollen, assistieren Saatgut Initiativen beim Aufbau von Saatgutbanken, und helfen Eltern Stipendien für ihre Kinder zu bekommen. Wir laden Sie ein auf den PROLANA Hintergrundseiten das Leben der Biobaumwollbauern und ihrer Familien und die Arbeit von Chetna näher kennenzulernen.

Tarun Naik – mit Biobaumwolle aus der Schuldenfalle

Biobaumwollbauer Tarun Naik

Eine Reihe sauber geschichteter Ziegel liegen bereit, sobald er die Zeit findet kann Tarun daran gehen, sein Haus um einen Raum zu erweitern. Der Anbau ist dringend notwendig, denn bislang leben Arun, seine Frau Kamalini und seine beiden Kinder in zwei Zimmern, die sie auch noch mit Taruns Mutter und drei seiner Geschwistern teilen müssen. Noch vor drei Jahren hätte niemand in der Familie zu hoffen gewagt, dass der Anbau je Realität werden würde. Denn zu diesem Zeitpunkt war Tarun so verschuldet, dass er beinahe sein 1ha großes Stück Land und die beiden Kühe verloren hätte. Bis 2010 baute er auf der Hälfte der Fläche konventionelle Baumwolle an und das, erzählt er, ist eine teure Angelegenheit. In der Region um sein Dorf, Bachat, im indischen Bundesstaat Odisha gibt es nur einen Saatguthändler, bei dem alle Bauern, die konventionelle Baumwolle anbauen, Saatgut, chemischen Dünger und Spritzmittel kaufen – in der Regel auf Kredit, mit einem Jahreszinssatz von 60%. Dazu kommen Lohnkosten, vor allem bei der Aussaat und der Ernte werden tageweise Hilfskräfte gebraucht. 2010 fiel die Ernte gering aus. Um nicht noch weitere Kredite aufnehmen zu müssen, baute Tarun im darauffolgenden Jahr nur Reis und Linsen an. Damit hatte die Familie zumindest etwas zu essen, doch durch die Wucherzinsen wuchsen die Schulden trotzdem weiter.
Als die Chetna Mitarbeiter nach Bachat kamen, war die Familie in einer finanziell verzweifelten Situation. Das einzige landwirtschaftliche Produkt, mit dem ein Bauer in Odisha genug Geld verdienen kann, ist Baumwolle. Mit Biobaumwolle, so erklärten die Chetna Mitarbeiter, entstehen keine Kosten für chemischen Dünger und Spritzmittel, gedüngt wird mit Zwischensaat und Kompost (link 01.1.4). Gegen Schädlinge hilft ein fermentierter Sud aus Blättern und Kuh-Urin. Die Fair Trade Prämie, die Firmen wie PROLANA für die Biobaumwolle zahlen, ermöglicht Chetna Baumwollsaatgut vorzufinanzieren. Mit Hilfe der landwirtschaftlichen Berater lernten Tarun und die übrigen Bauern in Bachat die Grundregeln des ökologischen Landbaus. Ein Jahr später wuchs wieder Baumwolle auf Taruns Acker – diesmal in Bioqualität. Mit dem Erlös konnte er die Schulden abbezahlen, und zusammen mit dem kleinen Einkommen, dass seine Ehefrau Kamalini mit dem Verkauf von Gemüse erwirtschaftet, sind die Pläne für die Erweiterung des Hauses um ein Zimmer in greifbare Nähe gerückt.

Hintergrundinfo: Was das Leben kostet
Tarun baut zusätzlich Reis und Linsen für die Familie an, Kamalini zieht das Gemüse für den Eigenbedarf, aber anderes muss auf dem Markt gekauft werden: Lebensmittel wie Zucker, Salz, Tee und Öl, dazu Dinge wie Kleidung, Medikamente, Seife, Waschmittel.... etwa Rs17.000 (Euro 250)/Jahr braucht die Familie zum Leben, aber bevor er auf Bioanbau umstieg verdiente Tarun mit konventioneller Baumwolle lediglich Rs 3.000 (Euro 42). Und nicht nur beim Saatguthändler hatte er Schulden, auch bei Verwandten hatte die Familie Geld leihen müssen – insgesamt Rs 11.000 (Euro 155).

Wo Biobaumwolle wächst gedeiht auch Biogemüse

Maa Mangalas Gemüsegarten

Von einem Zaun aus Zweigen umgeben und mit einer solarbetriebenen Pumpe, die das gesamte Dorf mit Wasser versorgt, ist der Maa Mangala Gemüsegarten das Erste was man sieht, wenn man über die schmale, ungeteerte Straße nach Bachat kommt. Bewirtschaftet werden die Beete von einer Gruppe von Frauen des Dorfes; Chetna-Mitarbeiter haben das Projekt von Anfang an mit betreut. Die Nichtregierungsorganisation Chetna kümmert sich zwar vor allem um Bio-Baumwollbauern, aber für die Bauernfamilie ist es wichtig, nicht ausschließlich vom Baumwollanbau zu leben. Andere Einnahmequellen zu haben mindert das Risiko und natürlich sollten die Bauern in der Lage sein, genug Gemüse und Hülsenfrüchte für den eigenen Bedarf anzubauen. Als die Chetna Mitarbeiter 2010 zum ersten Mal nach Bachat kamen hatten sich 14 Frauen bereits lose zu einer Spar- und Kleinstkreditgruppe zusammengeschlossen. Solche Gruppen werden von der indischen Regierung initiiert, aber nach der Gründung auf sich selbst gestellt hatten die Frauen das Projekt nicht weiter verfolgt. Chetna ermutigte die Frauen zusammen eine brach liegende Fläche von mehr als 1,5 ha zu bewirtschaften.
Gemeinsam legten sie Komposthaufen an, aber ihre Beete bewirtschaftet jede der Frauen für sich. Jetzt, Anfang Januar, gibt es Kartoffeln, verschiedene Sorten Auberginen, Tomaten, Koriander, Rote Beete, Chilis, Zwiebeln, Zuckermais, Knoblauch und verschiedene Kohlsorten.
Für die Frauen der Kooperative ist es das erste Jahr in dem sie genug Gemüse für den Verkauf ernten. Zu den Kunden gehören Händler, die Marktstände in anderen Orten beliefern und Dorfbewohner, die oft weite Wege in Kauf nehmen, um bei Maa Mangala preiswertes Biogemüse zu kaufen. Kundinnen sind auch vier junge Frauen, zwei von ihnen sitzen ein wenig schüchtern lächelnd auf der Stufe eines Hauses im Dorf, eine Tragetasche voller frisch gepflückter, dunkel violett glänzender Auberginen auf dem Schoß.  

Zwei bis dreimal pro Woche kommen sie die drei Kilometer aus ihrem Dorf, um bei Maa Mangala Gemüse einzukaufen. Angebaut hat die Auberginen Jageshwari Naik, aber ihre Spezialität sind eigentlich verschiedene Kohlsorten. Rs 3000 (ca. Euro 42) hat sie damit im letzten Jahr verdient. Eine beachtliche Summe – der Durchschnittsverdienst eines indischen Bauern liegt bei etwa Rs 30,000 im Jahr. Besonders stolz ist Jageshwari auf ihren Blumenkohl. In der Küche des kleinen Hauses erklärt sie, wie sie das Lieblingsrezept der Familie zubereitet: Blumenkohl Curry.

Rezept für Jageshwaris Blumenkohl Curry

Jageshwaris Blumenkohl Curry

Zutaten:
- 1 mittelgroßer Blumenkohl, in Röschen zerteilt
- 3 Tomaten (oder eine kleine Dose Tomaten)
- 2 Zwiebeln, gewürfelt
- 4 entkernte, klein geschnittene grüne Chilis (oder weniger, falls Sie es lieber mild mögen)
- Masala-Paste (siehe Rezept)
- ¼ Tl Zucker
- Salz und etwas Wasser

Masala-Paste:
Mischen Sie folgende Zutaten mit einer kleinen Menge Wasser zu einer dicken Paste:
- eine kleine Knoblauchzehe, zerdrückt
- ½ Tl frisch geriebener Ingwer
- ½ Tl Kurkuma
- 2 kleine, getrocknete Chilis (wer es mild mag lieber weglassen)
- eine Messerspitze gemahlene Nelke
- ¼ Tl Kardamom (gemahlen)
- ½ Tl Kreuzkümmel (gemahlen)
- ½ Tl schwarze Senfkörner

Zubereitung:
Öl mit der Prise Zucker in einer tiefen Pfanne oder einem Wok erhitzen, klein geschnittene Zwiebeln und grüne Chili dazu geben. Auf kleiner Flamme langsam anbraten bis die Zwiebeln leicht gebräunt sind. Masala Paste hinzugeben und verrühren. Gewürfelte frische oder Dosentomaten hinzufügen.
Nach 3 bis 4 Minuten Blumenkohlröschen hinzufügen, auf kleiner Flamme ein paar Minuten kochen lassen, wenn nötig etwas Wasser hinzufügen. Mit geschlossenem Deckel auf kleiner Flamme kochen bis der Blumenkohl weich ist. Salz nach Geschmack.

Dazu paßt weißer oder brauner Reis und ein Gurkensalat. Übrigens: Lassen Sie sich bitte von der langen Zutatenliste nicht abschrecken, wenn Sie die Gewürze beisammen haben ist der Rest ganz einfach.
Guten Appetit!