Fragen und Antworten

Warum werden einige PROLANA Produkte in Indien produziert und nicht in Europa?

Nur ein sehr geringer Teil der weltweit produzierten Baumwolle stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und nur ein Bruchteil davon ist außerdem Fair gehandelt. PROLANA arbeitet mit Bio-Baumwollbauern und GOTS-zertifizierten Baumwoll-Verarbeitern in Indien zusammen. Die hochwertige Verarbeitung von Baumwolle hat eine lange Tradition in Indien und einige PROLANA Produkte werden bei unseren Partnern in Indien gefertigt. Die geringeren Fertigungskosten helfen PROLANA zudem, konkurrenzfähig zu bleiben. Bei PROLANA ist es uns jedoch wichtig, alle Menschen, die an der Fertigung eines PROLANA Produktes beteiligt sind, fair zu behandeln. Der Wert der Baumwolle steigt mit der Verarbeitung oder ‚Veredelung’. Wir sind der Auffassung, daß es zur Fairness gehört, Produzenten in Indien am Mehrwert zu beteiligen, der dadurch geschaffen wird und sie nicht als reine Rohstofflieferanten zu mißbrauchen. Und selbstverständlich gehört dazu auch, daß den indischen Näherinnen und Nähern faire Löhne gezahlt werden. PROLANA beteiligt sich deshalb bei einem ‚Living Wage’ Pilot-Projekt bei unserem indischen Hauptlieferanten.

 Was ist ein ‚Living Wage’ Projekt und wie sieht die Beteiligung von PROLANA daran aus?

Bei unserem indischen Partner AKM werden selbstverständlich die staatlichen Mindestlöhne gezahlt. Unabhängige Berechnungen haben jedoch ergeben, daß dieser Mindestlohn nicht der Definition eines ‚living wage’ entspricht, dafür müßte das Lohnniveau um 20% angehoben werden. PROLANA beteiligt sich aus diesem Grund an einem Living Wage Pilotprojekt: Kern ist die Berechnung des Anteils der Lohnkosten, der z.B. bei der Herstellung eines Kinderschlafsacks anfällt. PROLANA (und zwei andere kleine AKM-Kunden) zahlen dann den ‚living wage’ also 20% mehr als sonst üblich. Am Monatsende wird dieser Fair Trade Aufschlag aber auf alle bei AKM tätigen Mitarbeiter verteilt, da es reiner Zufall ist, wer gerade an einer Prolana-Bestellung mitarbeitet und wer nicht. Je mehr Fair Trade Produkte gekauft werden und je mehr Firmen sich am Living Wage Projekt beteiligen, desto schneller kann für alle Mitarbeiter das Lohnniveau angehoben werden. Derzeit bekommen die Arbeiter sozusagen ein 13. Monatsgehalt. Das ist aus unserer Sicht ein guter Anfang und wir hoffen, daß sich in Zukunft weitere Firmen bereit erklären, den 20%igen Aufschlag zu zahlen.

PROLANA verwendet Fair gehandelte Bio-Baumwolle, warum tragen die Produkte dann nicht das blau-grüne Fairtrade Logo?

PROLANA bezieht bis auf wenige, technisch bedingte Ausnahmen Bio-Baumwolle von FLO (Fair Trade Labelling Organisation) zertifizierten Baumwollbauern und bezahlt den entsprechenden Fair Trade Aufschlag. Für die Nutzung des Fairtrade Logos würde jedoch darüber hinaus noch eine Nutzungsgebühr fällig, die Firmen wie PROLANA an die Siegelinitiativen in Europa entrichten müssen. Diese Gebühr berechnet sich nach dem Gesamtwarenwert eines Produktes, unabhängig davon wieviel Baumwolle darin enthalten ist. Eine PROLANA Latexmatratze beispielsweise hat einen Kern, der aus 100% Fair gehandeltem Naturkautschuk besteht (siehe dazu Fair Rubber e.V.), eine Schafschurwollummantelung und einen Bezug aus Fair gehandelter Baumwolle. Würde PROLANA diesen Bezug mit dem Fair Handelslogo kennzeichnen, würden Nutzungsgebühren fällig, die sich auf den Gesamtwert der Matratze beziehen, derweil die Fair Trade Prämie, die die Baumwollbauern erhalten, sich auf die Menge der für die Herstellung des Bezuges notwendige Rohbaumwolle bezieht. Damit würde die Logonutzungsgebühr die Fairtrade Prämie für die Bauern um ein Vielfaches übersteigen, weshalb PROLANA die Fair Trade Prämie an die Bauern zahlt, aber auf die Nutzung des Logos verzichtet.

Warum ist manchmal von Fairtrade die Rede und dann wieder von Fair Trade?

Die Schreibweise ‚Fairtrade’ wird von den Fairtrade Siegelinitiative für von FLO besiegelte Produkte in Anspruch genommen.
Der Faire Handel besteht aber nicht nur aus von FLO (Fair Trade Labelling Organisation) besiegelten Produkten, 'Fair Trade' ist ein Konzept, das es schon lange vor den Fairtrade Siegeln gab. Es umfaßt eine ganze Reihe anderer Modelle, die versuchen, über bessere Handelskonditionen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzenten beizutragen (siehe auch Fair Rubber e.V.).

Warum bekommen nur die Baumwollbauern eine Fair Trade Prämie aber nicht die anderen Textilarbeiter wie z.B. die Näher?

Der Grund dafür ist, dass es bislang nur ein ganz kleiner Teil der weltweit produzierten Baumwolle Fair gehandelt ist. Es ist vergleichsweise einfach, den Bauern für die Rohbaumwolle einen Fair Trade Aufschlag zu zahlen. Aber bis aus dieser Rohbaumwolle ein Kinderschlafsack oder ein Kissenbezug geworden ist, muss sie viele Verarbeitungsstufen durchlaufen:
Die Baumwolle wird gereinigt, kardiert, gesponnen und zum Faden gezwirnt. Das Garn wird zu einem gewebten oder gestrickten Stoff weiterverarbeitet, nach Bedarf bedruckt oder gefärbt, schließlich zugeschnitten und genäht. Es sind also Dutzende von Menschen in verschiedenen Firmen und an verschiedenen Orten an der Entstehung eines Produktes beteiligt. Und da der Faire Handel weiterhin nur einen kleinen Marktanteil hat, verbringt in einer Spinnerei, Weberei oder in der Konfektionierung nur einige wenige Mitglieder der Belegschaft einen kleinen Teil ihrer Arbeitszeit mit der Herstellung von Fair gehandelten Produkten. Bei PROLANA sind wir trotzdem entschlossen, soweit das sinnvoll machbar ist, auch die Menschen in der weiterverarbeitenden Industrie an der Wertschöpfung zu beteiligen. Wir tun dies z.B. über ein ‚Living Wage’ Projekt.

 Was ist die Chetna Coalition und wieso beteiligt sich PROLANA daran?

‚Chetna’ ist eine indische Nichtregierungsorganisation (NRO) die mit Bio-Baumwollkleinbauern zusammenarbeitet. PROLANA ist Mitglied der ‚Chetna Coalition’ – einem losen Zusammenschluss von Fairtrade Kunden und Chetna. Sie versucht sicherzustellen, daß das Abrechnungsverfahren für die Fairtrade Prämie nicht zu einer unnötigen Verteuerung der Baumwolle führt, die den Bauern nichts nützt, aber die Wettbewerbsfähigkeit der Endprodukte gefährdet.

Die Chetna Coalition schlägt eine einfache Lösung vor: In Zukunft soll der Endabnehmer, also z.B. PROLANA, die Fair Trade Prämie direkt an die Baumwollbauern bezahlen und die gesamte Verarbeitungskette berechnet ihre Margen wie für gewöhnliche (bzw. Bio-)Baumwolle. Die Bauern bekommen dieselbe Fair Trade Prämie wie bisher, aber die Endprodukte bleiben im Markt konkurrenzfähiger. So elegant diese Lösung klingt, so schwierig stellt sich die Umsetzung in der Realität dar, denn letztlich muss der Weg einer Baumwollfaser vom Feld über alle Verabeitungsstufen bis zum Endprodukt nachzuverfolgen sein, damit die Bauern die korrekte Fairtrade Prämie erhalten.

Warum ist der Naturkautschuk den PROLANA verwendet Fair gehandelt aber nicht von der Fair Trade Labelling Organisation (FLO) zertifiziert?

FLO hat keine Kriterien für Gummi. Der Fair Rubber e.V. ist weltweit die einzige Organisation mit einem Fair Handelskonzept für Naturkautschuk: Naturkautschuk ist ein hochwertiges, vielseitig verwendbares Material, das synthetischem, aus Petroleum hergestelltem Gummi in vieler Hinsicht überlegen ist, besonders wenn es um den Schutz der Umwelt geht. Der Fair Rubber Verein hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen der Produzenten durch Fairen Handel zu verbessern. PROLANA ist der weltweit größte Verbraucher von Fair gehandeltem Naturkautschuk.

Die Mitglieder des Vereins zahlen eine Fair Trade Prämie von EUR 0,50 / kg Gummi-Trockenmasse (DRC). (Eine prozentuale Fairtrade Prämie wäre nicht sinnvoll: Die Preise für Naturkautschuk sind vom Weltmarkt abhängig. Sind sie niedrig können die Produzenten nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Beim Fair Rubber e.V. bleibt dann wenigstens die Fair Trade Prämie gleich hoch).

Wie funktioniert der Faire Handel bei Naturkautschuk?

Der Fair Rubber e.V. arbeitet nur mit nachhaltig bewirtschafteten Plantagen zusammen, die mit dem Forest Stewardship Council (FSC) Siegel ausgezeichnet sind. Das bedeutet: vom Latex das in Fässern eine bestimmte Plantage verläßt bis hin zum fertigen Produkt sind die Stationen genau nachvollziehbar (chain of custody). Eine Fair Trade Prämie (EUR 0,50/kg DRC) hilft den Plantagenarbeitern und Zapfern , ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Aus diesem Grund wird auf jeder am Fair Rubber Modell beteiligten Plantage ein ‚Joint Body’ gewählt, ein Gremium von Mitarbeitervertretern, die darüber entscheiden, welches Projekt mir Fair Trade Mitteln verwirklicht werden soll. Vertreter des Plantagen Managements haben eine beratende Funktion. (Beispiele wie die Produzenten die Fair Trade Prämie genutzt haben finden Sie (link PROLANA) und auf http://fairrubber.org/)

Der Fair Rubber e.V. unterscheidet sich bewusst von anderen Fair Handelsmodellen. Warum?

Im Gegensatz zu anderen Fair Trade Programmen zahlen die Produzenten keine Gebühren, um auf dem Fair Rubber Plantagenregister geführt zu werden. Im Gegenteil: Der Fair Rubber e.V. übernimmt bei Bedarf, z.B. für Kautschuk-Kleinbauern, sogar noch die Kosten für die FSC Zertifizierung.

Der Fair Rubber e.V. schreibt außerdem vor, daß bei einem mit dem Fair Rubber Logo ausgezeichneten Produkt 100% des verwendeten Naturkautschuk/Latex aus Fairem Handel stammen müssen. Der Importeur (und Fair Rubber e.V. Mitglied) zahlt eine Logo Nutzungsgebühr, die auf EUR 0,20/kg beschränkt ist, d.h. die Prämie für die Zapfer und Kleinbauern ist mindestens das 2.5-fache der Kosten der Logonutzung, wobei diese Gebühr u.a. für die oben erwähnte Finanzierung der FSC Audits der Produzenten genutzt wird, also auch den Lieferanten zugute kommt. Für den Fair Rubber Verein steht ein Ziel vor allen anderen: Es geht darum, die Lebensbedingungen der Produzenten und Produzentinnen zu verbessern.

(siehe auch: http://fairrubber.org/)

PROLANA verwendet ausschließlich Naturkautschuk aus Fairem Handel – warum?

Naturkautschuk ist genau wie z.B. Baumwolle ein Naturprodukt und damit ein nachwachsender Rohstoff.

Synthetischer Kautschuk, im Zusammenhang mit Matratzen oft als ‚Kaltschaum’ bezeichnet, wird aus dem fossilen, endlichen Rohstoff Erdöl hergestellt. Der Herstellungsprozess ist umweltschädlich (weil energieaufwendig, Umweltschäden bei der Produktion) und Produkte aus Erdöl sind schlecht biologisch abbaubar, irgendwann landen sie auf einer Mülldeponie.
Naturkautschuk wird aus Latexmilch hergestellt. Sie beginnt zu fließen, sobald ein Zapfer einen hauchdünnen Rindenstreifen am Stamm des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis) mit einem scharfen Zapfmesser entfernt. Kautschukbäume sind nicht nur Lieferanten eines wertvollen Rohstoffs, sie leisten 'ganz nebenbei' einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz: Kautschuk-Bäume absorbieren mehr CO2 als die meisten anderen Pflanzen.

Es gibt also mehrere Gründe dafür, dass PROLANA ausschließlich FSC-zertifizierten und fair gehandelten Naturkautschuk verwendet. Ob der sehr guten Liegeeigenschaften wurden Latexmatratzen in vielen unabhängigen Tests zum Testsieger gekürt. Dazu leisten Sie mit Naturlatex sozusagen im Schlaf einen Beitrag zum Umweltschutz und über die Fair Trade Prämie helfen Sie den Arbeitern und Arbeiterinnen auf den Plantagen ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.