Strenge Kontrollen, aber keine Garantie – Biobaumwolle und GM

Biobaumwollbauern bei der Ernte

PROLANA kauft Biobaumwolle soweit technisch möglich bei unserem indischen Partner Chetna. Diese Nichtregierungsorganisation arbeitet mit Biobauern in drei indischen Bundesstaaten zusammen, PROLANA bezieht aber nur Baumwolle, die in Odisha (früher Orissa) angebaut wurde. In Odisha ist der Anbau von GM Baumwolle verboten, damit ist das Risiko einer Kontamination der Biobaumwolle deutlich reduziert – Fremdbefruchtung mit GM Pollen auf dem Feld ist nicht möglich, wenn in der Umgebung keine GM Baumwolle angebaut wird.
In dem Versuch zu verhindern, dass auch sonst keine Kontamination durch GM auftritt arbeitet Chetna mit einem ausgeklügelten System von Kontrollen - vom Saatgut bis zur Ernte. Ein einziger Baumwollsamen genügt für einen Test. Wenn die Bauern z.B. nach der Ernte die Rohbaumwolle zu den Sammelstellen bringen wird von jeder Lieferung mindestens eine Probe genommen und auf Verunreinigung mit GM Baumwolle getestet. Ein Baumwollsamen wird zerkleinert und in ein Lösungsmittel gegeben, und schon ein paar Minuten später läßt sich an einem Teststreifen erkennen ob die Probe in Ordnung ist – ein Streifen verfärbt sich – oder ob es sich um einen GM Samen handelt und zwei Streifen verfärbt sind; das Ganze ist einem Schwangerschaftstest nicht unähnlich. Selbstverständlich wird die Biobaumwolle während des gesamten Verarbeitungsprozesses strikt von konventioneller oder GM Baumwolle getrennt.

Problem Saatgut
Die Gefahr der Verunreinigung besteht nicht nur durch Fremdbestäubung im Feld oder einer versehentlichen Vermischung bei der Verarbeitung, inzwischen ist klar, dass die Probleme bereits mit dem Saatgut beginnen – konventionelles nicht GM-Saatgut ist nur noch schwer zu bekommen (von zertifiziertem Bio-Saatgut ganz zu schweigen). Das gilt nicht nur für Indien, sondern weltweit. Warum das so ist? 90% der Baumwolle, die in Indien angebaut wird, ist GM Baumwolle. Das Saatgut dafür wird von wenigen großen Agrarfirmen hergestellt.
GM Saatgut ist deutlich teurer als konventionelles, entsprechend gering ist das kommerzielle Interesse der Firmen, solches 'Normal'-Saatgut überhaupt noch zu produzieren. Chetna koordiniert deshalb die Bestellung und Vorfinanzierung des Saatguts für alle Chetna Bauern, denn nur bei entsprechend großen Abnahmemengen sind gerade noch zwei indische Saatgutfirmen überhaupt bereit, für den Biolandbau geeignete, unbehandelte (das heißt nicht mit einer Dünger- und Pestizidschicht umhüllte) nicht GM-Baumwollsamen zu liefern. Und eine absolute Garantie für die Reinheit gibt es nicht: Bei der Herstellung von des konventionellen Hybridsaatguts, bei der Lagerung bei den Saatgutfirmen und bei der Verpackung ist eine Kontamination nicht absolut auszuschließen. Bei Chetna weiß man um die Problematik, Mitarbeiter ziehen vor der Aussaat Proben und prüfen auf GM Verunreinigungen, die Bauern müssen die Saatgutverpackungen aufbewahren, sodass Rückschlüssen auf die Saatgutcharge möglich sind, für den Fall daß bei späteren Stichprobenkontrollen Verunreinigungen festgestellt werden sollten.

Dringend gebraucht: Samenfestes Saatgut
Viel besser wäre es natürlich, wenn die Bauern nicht mit Hybrid-Sorten (01.2.1.1) arbeiten müssten, sondern ihr eigenes Saatgut verwenden könnten. Das hätte weit mehr als nur finanzielle Vorteile. Anders als Hybridsamen kann samenfestes Saatgut durch Selektion über mehrere Generationen gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst werden. Bei Chetna arbeitet man daran.
Die Anbaubedingungen für Baumwolle in Indien sind sehr unterschiedlich, in Odisha ist künstliche Bewässerung nicht notwendig, aber die Baumwolle sollte sowohl mit zu viel als auch zu geringen Regenmengen auskommen. Chetna Agronomen arbeiten deshalb mit der Schweizer Biolandbauorganisation FIBL und der landwirtschaftlichen Universität im indischen Bundesstaat Karnataka zusammen, um die oft nur noch in geringen Restbeständen vorhandenen traditionellen samenfesten indische Sorten weiterzuentwickeln. Bislang wurden in Indien mehr als 700 einheimische Baumwollsorten identifiziert. Auf der kleinen Chetna Versuchsfarm haben es inzwischen sieben Sorten in die engere Auswahl für eine Weiterentwicklung geschafft und eine kleine Gruppe von Bauern hat sich im letzten Jahr an einem ersten Feldversuch beteiligt. Die Wissenschaftler hoffen, in etwa vier bis fünf Jahren eine samenfeste, besonders für Odisha geeignete Sorte selektiert zu haben. Dann müßten die Bauern kein Saatgut mehr kaufen, sondern könnten die Samen der geernteten Baumwolle im kommenden Jahr für die Aussaat verwenden. Und zwei dieser Sorten sind sogenannte Diploide, d.h. sie können nicht durch GM Baumwollpollen kontaminiert werden.

Trotz der Kontrollen - könnten die Bio-Baumwollbauern vielleicht doch schummeln?
Bis zu 20% höhere Ernteerträge versprechen die Agrarkonzerne, die GM Baumwollsaat und die dazugehörigen chemischen Dünger und Spritzmittel herstellen. Ein Versprechen, dass sich in Indien nie bewahrheitet hat – aus einer Reihe von Gründen:
GM Saatgut ist teurer als konventionelles und um die hohen Erträge (zumindest in den ersten Jahren) erzielen zu können bedarf es nicht nur einer ausreichenden Regenmenge oder künstlicher Bewässerung, sondern es muß auch die doppelte der sonst üblichen Düngermenge eingesetzt werden. Einer der Agrarberater von Chetna bestätigte, dass in indischen Bundesstaaten in denen GM Baumwolle zugelassen ist, viele Bauern aus Kostengründen auf ihren GM Baumwollfeldern deutlich weniger gedüngt haben als von den Agrarchemiefirmen empfohlen. Deshalb sind Ernteerträge oft nicht einmal ausreichend, um wenigsten die Schulden für Saatgut und die eingesetzte Agrarchemie zurückzubezahlen. Ein wichtiger Grund für Baumwollbauern auf den Bioanbau umzusteigen ist die Chance aus der Schuldenfalle heraus zu kommen: Sie müssen weder teuren chemischen Dünger noch Spritzmittel kaufen.

Warum arbeiten die Bio-Baumwollbauern mit Hybridsaatgut?
Bei der Herstellung von Hybridsamen werden genetisch unterschiedliche Pflanzen ausgewählt und miteinander gekreuzt. Das Ergebnis ist eine Generation von Pflanzen, die die besonderen Eigenschaften der Elternpflanzen hat, in sich aber nicht sortentreu ist. Bei Baumwolle hat eine Elternpflanze z.B. die genetische Anlage für besonders lange Baumwollfasten, die andere Elternpflanze produziert besonders viel. Kreuzt man diese Elternpflanzen entsteht eine Generation, die eine besonders große Ernte besonders langfaseriger Baumwolle verspricht. Das Problem ist nur, dass diese Hybridgeneration nicht sortentreu ist – würde man ihre Samen im darauffolgenden Jahr sähen, wäre vermutlich der Ertrag schlechter, die Fasern wären zu kurz oder die Samen wären vielleicht sogar steril. Ein Hybrid, von dem Sie sicher schon gehört haben, ist ein Maultier: Es ist das Ergebnis der Kreuzung zwischen einer Pferdestute und einem Eselhengst. Maultiere sind etwas größer als Esel, weniger eigensinnig und extrem belastbar – nur fortpflanzen können sie sich nicht, sie sind steril. Für die nächste Mauleselgeneration muß wieder ein Pferd mit einem Esel gekreuzt werden. Nach demselben Prinzip müssen Baumwollbauern jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Der gute Ernteertrag und die Qualität der Baumwolle machen den Kaufpreis – in der Regel - wett, ganz ohne GM. Hauptnachteil: Die Bauern müssen auch hier in jedem Jahr neues Saatgut kaufen.

Ist GM Baumwolle gesundheitsschädlich?
Eine klare wissenschaftliche Antwort gibt es unseres Wissens nach auf diese Frage bislang nicht. Uns ist keine Studie bekannt, die isoliert die möglichen Auswirkungen von GM Baumwolle untersucht. Tatsache ist jedoch, dass beim Anbau von GM Baumwolle große Mengen an Pestiziden und Herbiziden eingesetzt werden, mehr noch als bei der Produktion von konventioneller Baumwolle. Und die negativen Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt, auf Böden und Trinkwasser und damit auch auf den Menschen sind eindeutig nachgewiesen worden. Vor allem für die Anbauer, aber auch in Baumwollkleidung sind Pestizidrückstände in gefunden worden. Ausführliche Informationen finden Sie hier.


PROLANA verwendet deshalb ausschließlich Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau.